Siegen für InSIder – Das Siegener Loch und seine Folgen

Das Siegener Loch

In einem meiner vorherigen Beiträge habe ich euch vom Siegener Loch erzählt.
Zur Erinnerung: Im Februar 2004 tat sich am Rosterberg, einem dicht bebauten Berg im Stadtgebiet, die Erde auf. Ein Haus wurde dabei so stark beschädigt, dass es seither einsturzgefährdet ist. Auch das direkt angrenzende Nachbarhaus ist nicht mehr bewohnbar.

Gardinen und Gestrüpp

Gestern habe ich eine günstige Gelegenheit genutzt und die Gläserstraße aufgesucht, um mir ein Bild der aktuellen Situation zu machen.
Klar, das Ganze liegt jetzt mehr als 13 Jahre zurück, das Gelände zeigt sich heute anders als auf den Bildern von damals.
Aber, das kann ich schon mal vorweg sagen: Es hat sich, bis auf die sich ausbreitende Natur, nichts wesentlich verändert.
In der Gläserstraße stehen mehrere Reihen von Sechsfamilien-Häusern, immer vier hintereinander, hangabwärts Richtung Siegerlandhalle. Die Häuser Nummer 110 und 112, die vom Tagesbruch betroffen sind, stehen ein wenig tiefer als die beiden vorderen Häuser. Geht man an der Häuserreihe entlang, sieht man einen von Unkraut überwucherten Bauzaun, dahinter die betroffenen Häuser. Vom Siegener Loch selbst sieht man nicht mehr allzu viel, alles ist zugewuchert. In der unteren Wohnung, die akut betroffen ist, hängen noch Gardinen vor den mittlerweile verdreckten Scheiben, im Haus daneben hängen die Rollläden schief vor einem Fenster. Ein seltsamer Anblick mitten im Wohngebiet und trotzdem Alltag für die Bewohner der umliegenden Häuser, vielleicht sogar gewöhnlich für diejenigen, die in den Obergeschossen wohnen.

Und während die anderen Häuserreihen renoviert wurden und helle Fassaden erhielten, hat der betroffene Gebäudekomplex keinen Schönheitsanstrich bekommen und fällt auch deshalb aus dem Rahmen.
Ich habe mich dort jedenfalls sehr unwohl gefühlt und mich auch nicht länger als nötig aufgehalten.
Misstrauisch habe ich den Boden begutachtet und nach Rissen im Pflaster und Unebenheiten im Rasen gesucht. Ich habe vorsichtig durch das Gestrüpp auf die beiden vorderen Häuser der Reihe gelinst, die offensichtlich von  Familien bewohnt werden, denn auf der Wiese liegt Kinderspielzeug. Und ich habe mich gefragt, wie es sich wohl lebt, nur wenige Meter von einem Tagesbruch mit zehn Metern im Durchmesser entfernt, der einen 60 Meter tiefen Schacht zutage brachte. Einen Schacht, dessen Existenz bekannt war und dessen stützende Decke trotzdem bebaut werden durfte.

Die Folgen

Bei meiner Recherche habe ich übrigens noch einen weiteren interessanten Artikel zum Thema gefunden: „Bodenlos in Siegen“ in der „Welt“ – demnach war die Gefahr eines möglichen Tagesbruchs an dieser Stelle längst bekannt. Nur gehandelt hat eben niemand.
Der Rechtsstreit zwischen dem Eigentümer der Häuser und dem Land NRW endete 2012, also acht Jahre nach dem Unglück, mit einem Vergleich.
Für mich war die Situation irgendwie gruselig und beängstigend und ich bin froh, nicht dort in der Nähe zu leben.
Mal schauen, ob ich einen (fiktiven) Tagesbruch vielleicht irgendwann auch mal in einem Siegerland-Krimi unterbringe – denn es ist zu vermuten, dass es noch mehr Tagesbrüche geben wird. Wenn nicht auf dem Rosterberg, dann anderswo. Denn Stollen und Schächte haben wir hier mehr, als die meisten Menschen vermutlich wissen!

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Ein Gedanke zu “Siegen für InSIder – Das Siegener Loch und seine Folgen

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