Einen Monat bei Twitter

Rotkehlchen, Rotbrüstchen, ZwitschernDie Vorgeschichte

Okay, zugegeben: Mein jetziger Twitter-Account ist nicht mein erster.
Seit letztem Herbst zwitschert mein Pseudonym auf einer anderen Leitung, aber, wenn ich ehrlich bin: nur mäßig erfolgreich.
Irgendwie hab ich mich dabei nicht wirklich wohl gefühlt. Es war, als ob man alleine auf eine Party geht, bei der man manche Leute zwar vom Sehen kennt, aber niemanden richtig. Überall stehen und sitzen Menschen in Kleingruppen zusammen, man unterhält sich und lacht miteinander, jemand stellt eine Runde Getränke in die Mitte und die anderen bedienen sich. Ab und zu sagt man mal was , aber die Reaktionen darauf bleiben eher verhalten.
Kurz: Ich war verkrampft, und das hat man auch gemerkt.
Twitter ist wohl nichts für mich, dachte ich mir und begann, meinen Account zu vernachlässigen.

Dann kam das Literaturcamp in Heidelberg

Was es mit dem LitCamp auf sich hat, erzähle ich gerne in einem anderen Beitrag. Kurz zusammengefasst ist es ein sehr unkonventionelles Aufeinandertreffen von Büchermenschen, die Vorträge und Diskussionsrunden füreinander anbieten, Netzwerkpflege betreiben und den eigenen Horizont gehörig erweitern. Und Spaß macht es auch noch.

Schon zu Beginn kam offiziell der Wunsch, zu twittern, was das Zeug hält.
Das ging auch sofort auf, denn an beiden Tagen hat der Hashtag #Litcamp17 die Server zum Glühen gebracht. So konnte man – und die gesamte Twitter-Welt dazu – indirekt an jeder Session teilhaben, auch wenn man gerade in einer anderen, nicht minder interessanten, saß.
So langsam bekam ich ein Gefühl für Twitter und beteiligte mich zaghaft.
Entscheidend für Twitter und mich waren dann aber Vorträge und Diskussionen über das Medium an sich, über seine Möglichkeiten und, auch wenn das simpel klingt, seine Funktionsweise.
Zuerst twitterte noch mein Pseudonym, aber kaum war ich zu Hause, habe ich mir einen neuen, einen „echten“, Account angelegt. Jetzt findet man mich dort unter Melanie Lahmer und @siegenkrimi (die Tweets kann man übrigens in der rechten Spalte sehen, da sind Blog und Twitter hübsch verknüpft).

Der Durchbruch

Dank des tollen Inputs in Heidelberg habe ich Twitter endlich verstanden und nutze es seither auch regelmäßig und gern. Denn eines habe ich gelernt: Bei Twitter gibt es keine geschlossenen Gruppen (okay, die gibt es auch, aber die spielen normalerweise nur eine untergeordnete Rolle). Twitter ist eine offene Gesellschaft für alle, die Lust darauf haben.
Wenn da ein paar Leute am Tisch sitzen: Setz‘ dich einfach dazu. Wenn sie ein spannendes Thema diskutieren: Bring‘ dich ein. Erzählt jemand etwas Witziges, dann lach‘ mit ihm, sucht jemand Trost oder Rat, dann hilf‘ einfach. Oder sag‘ etwas Nettes oder Aufbauendes. Oder erzähl‘ von dir und dem, was dir durch den Kopf geht.
Du wirst sehen, dass du normalerweise mit offenen Armen und Ohren empfangen wirst, dass da immer Leute am Tisch sitzen, die sich über deine Anwesenheit freuen. Und wenn es doch nicht passt, stell‘ dich zu einer anderen Gruppe.

So einfach ist das?

Ja, im Grunde schon. Aber man kann natürlich auch einiges falsch machen und dafür sorgen, dass dann doch niemand zuhört, wenn man mit am Tisch sitzt.
In Autorenkreisen (und vermutlich auch anderswo) kursiert der Tipp, seine Auftritte bei Facebook und Twitter zu verbinden, um Zeit und Energie zu sparen. Dann erscheint jeder FB-Eintrag automatisiert bei Twitter oder umgekehrt.
Das klingt erstmal praktisch, zeigt aber, dass diejenigen Twitter nicht begriffen haben. Wer Twitter nutzt, weiß, was ich meine. Das sind dann Tweets, die mitten im Satz abbrechen und zu FB verlinken. Aber – wie oft klickt ihr den Link an? Wie häufig werden solche Tweets geliket, beantwortet oder gar retweetet? Fast nie.
Das liegt einfach daran, dass man auf Facebook und Twitter unterschiedlich kommuniziert. Bei Twitter muss man in 140 Zeichen auf den Punkt kommen, während man bei Facebook endlos schwafeln kann. Twittern ist eine gute Schreibübung, um konkret zu werden.
Twitter und Facebook zu verbinden ist so, als würde man sich mit verschränkten Armen in den Türrahmen stellen und davon erzählen, wie toll doch die andere Gesellschaft ist.
Und das wirkt weder einladend noch sympathisch und funktioniert in der Regel nicht. Zumindest nicht, wenn man Twitter als Netzwerk nutzen möchte.

Mein Tipp an alle Autorenkolleginnen und -kollegen:

Nutzt Twitter, weil ihr twittern wollt und nicht, um möglichst bequem Inhalte bei euren Followern abzuladen.
Das ist unpersönlich und ihr seid eure Follower schneller wieder los, als ihr sie gewonnen habt. Oder euer Account verkommt zu einer Datenleiche, was dem, was ihr eigentlich beabsichtigt habt, konträr entgegensteht.
Twitter ist ein tolles Medium, aber es will auch gepflegt werden. Genau wie alle anderen Webauftritte auch. Dann lieber auf den Twitter-Account verzichten, als einen Datenfriedhof anzulegen. Davon gibt es schon genug.

Ich wünsche euch viel Vergnügen!

 

 

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