Vier Nachrufe

angel-1548085_1920Diesen Beitrag schiebe ich schon ein Weilchen vor mir her, weil er mir wirklich nicht leicht fällt.
Schon manches Mal habe ich ein Dokument geöffnet, auf das leere Blatt gestarrt, ein paar Mal geschluckt und dann das Dokument wieder geschlossen, ohne auch nur ein einziges Wort geschrieben zu haben. Es ist leichter, sich mit den schönen Dingen zu beschäftigen, und so ein Dokument ist schnell geschlossen.
Aber es ist nicht vergessen, denn gleichzeitig trage ich diesen Eintrag in meinem Inneren ständig mit mir herum. Weil er von Menschen handelt, die gehen mussten.

Autoren-Netzwerke

Ich hocke zwar die meiste Zeit allein an meinem Schreibtisch, aber ich bin beim Schreiben nicht allein. Denn ich habe viele Kolleginnen und Kollegen in unterschiedlichen Netzwerken, mit denen ich mich mehr oder weniger rege austausche.
Wir treffen uns auch in größeren Abständen persönlich, und dadurch sind schon viele schöne, lustige und wertvolle Freundschaften entstanden.

Doch leider sind aus meinen Netzwerken in den letzten 13 Monaten vier Menschen verstorben – Autorinnen und Autoren, deren Bücher vielleicht in euren Regalen stehen, oder die ihr in der Buchhandlung schon mal durchgeblättert habt.
Mit meinem Nachruf möchte ich meinen Teil dazu beitragen, dass diese tollen Autoren und großartigen Menschen nicht vergessen werden …

Birgit Salutzki

Birgit verstarb am 13.12.2016, kurz nach ihrem 51. Geburtstag.
Wir haben uns im Frühjahr 2016 auf einem Treffen der Mörderischen Schwestern kennen gelernt. Nach einem intensiven Arbeitstag und einer Führung durch das Essener Polizeipräsidium haben wir gemeinsam beim Mexikaner zu Abend gegessen und viel gelacht.
Wir hatten so viele gemeinsame Interessen (Metal, Fußball – sie Schalke, ich Werder, und natürlich Krimis) und haben uns so angeregt unterhalten, dass ich mich schon auf unser nächsten Treffen gefreut habe.
Doch dazu kam es leider nicht mehr …
Birgit war ein echtes Ruhrpott-Gewächs, und natürlich spielte auch ihr Krimi „Ruhrkälte“ im Pott – und Fußball und Metal sind natürlich auch ein Thema.

Sabine Wassermann

Sabine verstarb am 31.03.2017, ebenfalls im Alter von 51 Jahren.
Wir kannten uns vom Montségur-Autorenforum, wo wir beide schon seit vielen Jahren Mitglieder waren.
Sabine kannte sich wirklich gut im Verlagsgeschäft aus, und sie hatte einen realistischen und nüchternen Blick auf alles, was ich sehr geschätzt habe.
Auf unserem jährlich stattfindenden Autorentreffen im Herbst in Oberursel habe ich sie 2016 erstmals persönlich getroffen. In einer großen, sehr angeregten Diskussionsrunde stand sie auf und forderte von den Verlagen mehr Wertschätzung für uns Autoren. Sie bekam tosenden Applaus von uns, weil sie nämlich einen ganz großen Missstand ansprach. Dieser Moment hat sich bei mir eingebrannt, und er passt zu der Sabine, die ich auch im Forum erlebt habe.
Sie hat unter verschiedenen Namen hauptsächlich historische Romane und eine Fantasy-Saga geschrieben. Leider konnte sie ihr letztes Projekt nicht mehr beenden, aber Kolleginnen aus dem Forum haben sich dessen angenommen und planen eine Veröffentlichung.
Tereza Vanek, eine Freundin und Kollegin, hat einen Nachruf auf sie veröffentlicht.
Eine ihrer letzten Veröffentlichungen war „Das Leuchten der Welt“ als Isabel Beto.

Andrea Schacht

Andrea verstarb am 26.10.2017 im Alter von 61 Jahren.
Andrea war eine ganz wichtige Person für meine schriftstellerische Laufbahn.
Sie war nicht nur für mich eine Art Mentorin, sondern auch für viele andere. Wir kannten uns ebenfalls aus dem Montségur-Forum und haben uns auch in Oberursel persönlich kennen gelernt.
Andrea war absoluter Profi und kannte alle Höhen und Tiefen des Verlagsgeschäfts. Sie hat wunderbare Bücher geschrieben, tolle Figuren entwickelt und hatte trotz der vielen Arbeit noch Zeit und Muße, Arbeitsgruppen im Forum zu leiten. Durch ihre sehr direkte und ehrliche Art habe ich unheimlich viel gelernt, und sie hat mich vor mancher dummen Idee bewahrt.
In den letzten Jahren hatte sie sich zurückgezogen, weil sie gesundheitlich nicht mehr dazu in der Lage war. Im Oktober 2016 gab sie auf ihrer Website bekannt, dass sie auf eine Nierentransplantation wartet. Leider hat sie ihre schwere Krankheit nicht überlebt.
Andrea Schacht hat mehr als dreißig Romane veröffentlicht, überwiegend historische, aber auch Katzenromane. Sie hat die Geschichte der Stadt Köln lebendig werden lassen.
Ihr aktuellster Roman Mord im Badehaus erscheint am 19.01.2018, also demnächst.

André Wiesler

André verstarb am 23.11.2017 im Alter von 43 Jahren.
Auch André war Teil des Montségur-Forums, auch wenn er dort schon länger nicht mehr aktiv war. Aber in der Anfangszeit der Forumstreffen in Oberursel hat er sich um die Technik gekümmert, damit in den Diskussionsrunden nicht plötzlich Stille herrscht.
André war ganz in der Phantastik zu Hause, gleichzeitig war er auch Entertainer und Bühnenmensch und wusste, wie man die Menschen zum Lachen bringt.
Für die Pen-&-Paper-Rollenspiele „Das schwarze Auge“ (DSA) und „Shadowrun“ hat er mehrere Abenteuer geschrieben.
Ulisses-Spiele, einer seiner Verlage, hat einen Nachruf auf ihn veröffentlicht.
Für sein letztes Projekt Protektor hat er eine erfolgreiche Crowdfunding-Kampagne gestartet, und bei Facebook habe ich amüsiert verfolgt, wie er Würfel und andere Gimmicks dafür entwickelt hat.

Abschied

Ich würde mich freuen, wenn ihr auf der Suche nach neuem Lesestoff auch an Birgit, Sabine, Andrea und André denkt. Ihre Bücher und damit ein Teil ihres Lebens sind das, was sie für uns zurücklassen.
Und vielleicht ist es auch für die Angehörigen ein kleiner Trost ist, dass ihre Bücher immer noch gelesen werden und sie nicht in Vergessenheit geraten.

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Buchmesse Frankfurt – Mein Rückblick

Vom Zaudern

Eigentlich sollte dieser Blogbeitrag schon früher erscheinen, aber ich habe mich ziemlich schwer damit getan. Wie soll man diese Messe rückblickend beschreiben? Soll – oder vielmehr: will – ich politisch werden, will ich die gesellschaftlichen Entwicklungen, die sich auch auf der Buchmesse niederschlagen, thematisieren? Oder will ich einfach so tun, als wäre alles super-duper-erfolgreich und schön?

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Nach reiflicher Überlegung habe ich mich gegen die Politik entschieden. Dies hier ist ein Autoren-Blog und soll vornehmlich das Schreiben beleuchten und das Umfeld, in dem dies geschieht. Mit einem manchmal kritischen, manchmal auch liebevoll-verblendeten Blick auf meine Heimat, das Siegerland, also die Region, in der ich lebe.
Und ja, da schnappt sie schon zu, die Falle: Was ist Heimat? Kann man diesen Begriff überhaupt frei von politischen oder persönlichen Überzeugungen verwenden? Ist er nicht sogar schon schmutzig überlagert durch Positionen, die ihn für ihre Zwecke missbrauchen?

Ihr seht, dass es wirklich nicht einfach ist, sich als Autorin nicht irgendwo politisch zu positionieren. Erst recht, wenn man zeitgenössische Romane schreibt und schon gar nicht, wenn man versucht, die Gesellschaft abzubilden.

Was hat das mit der Buchmesse zu tun?

Alles und nichts, wie mir scheint.
Die Querelen, die durch die Medien und vor allem durchs Social Media quellen, habe ich nicht persönlich mitbekommen. Aber ich habe selbstverständlich die Stände der Rechten gesehen, denn in unmittelbarer Nähe war der Orbanism Space platziert, eine Bühne explizit für bunte und offene Veranstaltungen.
Es war im Übrigen die Idee der Veranstalter, wenn man den Rechten schon einen Raum geben müsse (was sie gar nicht mussten, da es sich um eine GmbH und keine Institution der öffentlichen Hand handelt), dann könne man gleich die Linken daneben platzieren, damit „die“ das Problem unter sich regeln. Das hat ja, wie man jetzt weiß, überhaupt nicht funktioniert.

Freunde

Ich war zum Glück am Donnerstag und am Freitag dort, an Tagen also, an denen es noch nicht so extrem voll war und zum Glück auch keine Besucherrekorde verzeichnet wurden.
Man konnte noch gemütlich durch die Gänge schlendern, sich einzelne interessante Stände anschauen und mit den Menschen dort ins Gespräch kommen.
Das war am Donnerstag allerdings noch einfacher als am Freitag, denn das Publikum an den beiden Tagen unterschied sich enorm voneinander. Am Freitag war es nicht nur voller, sondern alles wirkte ein bisschen legerer und bodenständiger.
Auch wenn einige „Stars“ auf der Buchmesse waren und Interviews und Signierstunden gaben, habe ich mir diese Art von Rummel geschenkt. Personenkult ist ohnehin nicht meines und es ist auch kein Zufall oder Nachlässigkeit, dass es von mir keine Selfies gibt – weder mit Büchertürmen noch mit anderen Menschen.

Mir war es viel wichtiger, mich mit den Menschen um mich herum zu unterhalten, und zwar egal, wer sie sind und warum sie dort waren. So habe ich einige bisher eher lose Internetbekanntschaften vertieft und mit manchen überhaupt das erste Mal im realen Leben gesprochen.
Außerdem habe ich mich mit Freunden zum Essen getroffen, mit anderen im sonnenbeschienenen Innenhof gesessen und ganz, ganz viele Kolleginnen und Kollegen leider nur flüchtig und im Vorbeieilen umarmt – und viele habe ich einfach verpasst.
Es war wie ein großes Familientreffen und ich habe mich unheimlich wohl gefühlt. Wenn man tagein, tagaus am Schreibtisch sitzt und sich meist nur virtuell mit Kolleginnen und Kollegen austauscht, tut so ein echter Kontakt richtig gut. Auch wenn es nur eine kurze Umarmung ist.

Vorträge

Neben unfassbar vielen Büchern gab es auch ziemlich viele und teilweise wirklich gute Vorträge zu allen möglichen Themen rund ums Büchermachen:
Wie erstelle ich ein E-Book? Wie sieht gutes Marketing aus? Wie erreiche ich meine Leser und welche Unterschiede gibt es zwischen Selfpublishing und Verlag?
Letzteres ist natürlich auch ein ganz persönliches Thema für mich, über das ich bereits beim LiteraturCamp in Heidelberg, aber auch kürzlich auf der MinD-Akademie in Köln referiert habe.
Da gab es natürlich nicht extrem viel Neues für mich, aber viele Vorträge enthielten die eine oder andere Idee, was ich noch verbessern oder verändern könnte.

Die Buchmesse in Frankfurt war also ein voller Erfolg für mich; ich hatte unheimlich viel Spaß und tolle Kontakte, meine Füße taten dank guter Barfußschuhe kaum weh und genug Kaffee bekam ich auch.
Und ich bin gespannt, wie die Buchmesse Leipzig mit der Bürde umgeht, die sie von den Kollegen aus Frankfurt aufgedrückt bekam. Es ist jedenfalls viel in Bewegung und ich hoffe, dass auch viel Gutes daraus hervorgehen wird.

Buchmesse Frankfurt – Ausblick

Für viele Kolleginnen und Kollegen ist es schon heute soweit, ich werde allerdings erst morgen und übermorgen auf der Frankfurter Buchmesse sein.

Frankfurt, Main, Bahnhof, Messe, MessestadtDas sind zwei Tage vollgepackt mit Vorträgen und Treffen mit lieben KollegInnen und anderen Büchermenschen, die ich schon mehr oder weniger lange kenne.
Ich werde mich wohl hauptsächlich in Halle 3, der Self-Publishing Area, aufhalten, aber selbstverständlich auch die übrigen Hallen mit all ihren Verlags- und Dienstleisterständen aufsuchen. Mal schauen, was sich so in den letzten Jahren getan hat, denn mein letzter Buchmesse-Besuch liegt schon fünf Jahre zurück.

Damals habe ich mich nach einem Treffen mit meiner Literaturagentin im ominösen Agenten-Keller einfach treiben lassen, habe mich mit Kolleginnen und Kollegen getroffen und diesen großen, bunten und lauten Zirkus auf mich wirken lassen.
Diesmal habe ich einen Plan dabei, Visitenkarten zum Tauschen , eine Powerbank fürs Smartphone, Lutschtabletten für die Stimme, ausreichend Proviant, Klamotten im Zwiebellook und bequeme Barfußschuhe. Und ich habe mich bemüht, meinen Terminkalender nicht allzu voll zu stopfen.

Aber wie heißt es so schön? Erstens kommt es anders, und zweitens, als man denkt.
Und wie es mir wirklich ergangen ist, erzähle ich euch nächste Woche in einem Nachbericht.