Vier Nachrufe

angel-1548085_1920Diesen Beitrag schiebe ich schon ein Weilchen vor mir her, weil er mir wirklich nicht leicht fällt.
Schon manches Mal habe ich ein Dokument geöffnet, auf das leere Blatt gestarrt, ein paar Mal geschluckt und dann das Dokument wieder geschlossen, ohne auch nur ein einziges Wort geschrieben zu haben. Es ist leichter, sich mit den schönen Dingen zu beschäftigen, und so ein Dokument ist schnell geschlossen.
Aber es ist nicht vergessen, denn gleichzeitig trage ich diesen Eintrag in meinem Inneren ständig mit mir herum. Weil er von Menschen handelt, die gehen mussten.

Autoren-Netzwerke

Ich hocke zwar die meiste Zeit allein an meinem Schreibtisch, aber ich bin beim Schreiben nicht allein. Denn ich habe viele Kolleginnen und Kollegen in unterschiedlichen Netzwerken, mit denen ich mich mehr oder weniger rege austausche.
Wir treffen uns auch in größeren Abständen persönlich, und dadurch sind schon viele schöne, lustige und wertvolle Freundschaften entstanden.

Doch leider sind aus meinen Netzwerken in den letzten 13 Monaten vier Menschen verstorben – Autorinnen und Autoren, deren Bücher vielleicht in euren Regalen stehen, oder die ihr in der Buchhandlung schon mal durchgeblättert habt.
Mit meinem Nachruf möchte ich meinen Teil dazu beitragen, dass diese tollen Autoren und großartigen Menschen nicht vergessen werden …

Birgit Salutzki

Birgit verstarb am 13.12.2016, kurz nach ihrem 51. Geburtstag.
Wir haben uns im Frühjahr 2016 auf einem Treffen der Mörderischen Schwestern kennen gelernt. Nach einem intensiven Arbeitstag und einer Führung durch das Essener Polizeipräsidium haben wir gemeinsam beim Mexikaner zu Abend gegessen und viel gelacht.
Wir hatten so viele gemeinsame Interessen (Metal, Fußball – sie Schalke, ich Werder, und natürlich Krimis) und haben uns so angeregt unterhalten, dass ich mich schon auf unser nächsten Treffen gefreut habe.
Doch dazu kam es leider nicht mehr …
Birgit war ein echtes Ruhrpott-Gewächs, und natürlich spielte auch ihr Krimi „Ruhrkälte“ im Pott – und Fußball und Metal sind natürlich auch ein Thema.

Sabine Wassermann

Sabine verstarb am 31.03.2017, ebenfalls im Alter von 51 Jahren.
Wir kannten uns vom Montségur-Autorenforum, wo wir beide schon seit vielen Jahren Mitglieder waren.
Sabine kannte sich wirklich gut im Verlagsgeschäft aus, und sie hatte einen realistischen und nüchternen Blick auf alles, was ich sehr geschätzt habe.
Auf unserem jährlich stattfindenden Autorentreffen im Herbst in Oberursel habe ich sie 2016 erstmals persönlich getroffen. In einer großen, sehr angeregten Diskussionsrunde stand sie auf und forderte von den Verlagen mehr Wertschätzung für uns Autoren. Sie bekam tosenden Applaus von uns, weil sie nämlich einen ganz großen Missstand ansprach. Dieser Moment hat sich bei mir eingebrannt, und er passt zu der Sabine, die ich auch im Forum erlebt habe.
Sie hat unter verschiedenen Namen hauptsächlich historische Romane und eine Fantasy-Saga geschrieben. Leider konnte sie ihr letztes Projekt nicht mehr beenden, aber Kolleginnen aus dem Forum haben sich dessen angenommen und planen eine Veröffentlichung.
Tereza Vanek, eine Freundin und Kollegin, hat einen Nachruf auf sie veröffentlicht.
Eine ihrer letzten Veröffentlichungen war „Das Leuchten der Welt“ als Isabel Beto.

Andrea Schacht

Andrea verstarb am 26.10.2017 im Alter von 61 Jahren.
Andrea war eine ganz wichtige Person für meine schriftstellerische Laufbahn.
Sie war nicht nur für mich eine Art Mentorin, sondern auch für viele andere. Wir kannten uns ebenfalls aus dem Montségur-Forum und haben uns auch in Oberursel persönlich kennen gelernt.
Andrea war absoluter Profi und kannte alle Höhen und Tiefen des Verlagsgeschäfts. Sie hat wunderbare Bücher geschrieben, tolle Figuren entwickelt und hatte trotz der vielen Arbeit noch Zeit und Muße, Arbeitsgruppen im Forum zu leiten. Durch ihre sehr direkte und ehrliche Art habe ich unheimlich viel gelernt, und sie hat mich vor mancher dummen Idee bewahrt.
In den letzten Jahren hatte sie sich zurückgezogen, weil sie gesundheitlich nicht mehr dazu in der Lage war. Im Oktober 2016 gab sie auf ihrer Website bekannt, dass sie auf eine Nierentransplantation wartet. Leider hat sie ihre schwere Krankheit nicht überlebt.
Andrea Schacht hat mehr als dreißig Romane veröffentlicht, überwiegend historische, aber auch Katzenromane. Sie hat die Geschichte der Stadt Köln lebendig werden lassen.
Ihr aktuellster Roman Mord im Badehaus erscheint am 19.01.2018, also demnächst.

André Wiesler

André verstarb am 23.11.2017 im Alter von 43 Jahren.
Auch André war Teil des Montségur-Forums, auch wenn er dort schon länger nicht mehr aktiv war. Aber in der Anfangszeit der Forumstreffen in Oberursel hat er sich um die Technik gekümmert, damit in den Diskussionsrunden nicht plötzlich Stille herrscht.
André war ganz in der Phantastik zu Hause, gleichzeitig war er auch Entertainer und Bühnenmensch und wusste, wie man die Menschen zum Lachen bringt.
Für die Pen-&-Paper-Rollenspiele „Das schwarze Auge“ (DSA) und „Shadowrun“ hat er mehrere Abenteuer geschrieben.
Ulisses-Spiele, einer seiner Verlage, hat einen Nachruf auf ihn veröffentlicht.
Für sein letztes Projekt Protektor hat er eine erfolgreiche Crowdfunding-Kampagne gestartet, und bei Facebook habe ich amüsiert verfolgt, wie er Würfel und andere Gimmicks dafür entwickelt hat.

Abschied

Ich würde mich freuen, wenn ihr auf der Suche nach neuem Lesestoff auch an Birgit, Sabine, Andrea und André denkt. Ihre Bücher und damit ein Teil ihres Lebens sind das, was sie für uns zurücklassen.
Und vielleicht ist es auch für die Angehörigen ein kleiner Trost ist, dass ihre Bücher immer noch gelesen werden und sie nicht in Vergessenheit geraten.

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Ratgeber: Weniger Müll für ein reicheres Leben

Hallo, liebe Blogbesucher!

Ich hoffe, ihr habt einen schönen Silvesterabend verbracht und seid mit vielen guten Wünschen und manch gutem Vorsatz ins neue Jahr gestartet.
Wenn eure Vorsätze auch nur ganz entfernt etwas mit Entrümpeln (Decluttern), Minimalismus, Zero Waste oder plastikfreiem Leben zu tun haben, möchte ich euch gern einen neuen Ratgeber ans Herz legen.
Meinen Ratgeber! 🙂

Less waste, more life, klein

„Less Waste – More Life“ von Judith Schwarz

In den letzten Wochen und Monaten habe ich mich intensiv damit beschäftigt, wie man Geld sparen und gleichzeitig noch etwas Gutes für die Umwelt tun kann. Und für sich selbst sowieso!
Ich habe angefangen, unsere Wohnung zu entrümpeln, Pflegeprodukte und Putzmittel selbst herzustellen, ich habe mein Einkaufsverhalten verändert und im Selbstexperiment sogar meine Zähne mit Kernseife geputzt. Letzteres beschränkt sich aber auf ein einmaliges Experiment, soweit möchte ich dann doch nicht gehen … 😉

Außerdem habe ich viele Daten über unseren Umgang mit Müll gesammelt und mich genauer damit beschäftigt, warum wir überhaupt so viel konsumieren und warum Besitz auch belasten kann.
Das Buch ist weder dogmatisch noch streng, sondern eine ganz einfache Hilfestellung für den Weg in ein nachhaltigeres Leben. Und das ist sehr viel einfacher, als man vielleicht denken mag.
Wenn euch das Buch gefällt, dürft ihr es gern euren Freunden, Verwandten, Bekannten und Arbeitskollegen weiterempfehlen. Und ihr dürft auch gern dazu sagen, wer sich hinter „Judith Schwarz“ verbirgt! 🙂

Vorerst erhaltet ihr „Less Waste – More Life“ als E-Book bei Amazon – wer keinen Kindle hat, kann sich die entsprechende App herunterladen und dann sofort mit dem Lesen loslegen.
Ich freue mich jedenfalls über viele Neueinsteiger und Ausprobierer und bin sehr auf die ersten Rückmeldungen gespannt!
Ihr könnt einfach hier klicken: Less Waste – More Life

Bis bald – in einer hoffentlich aufgeräumteren Umgebung!

Weihnachtskrimi „Siegtropfen“ Gewinnspiel

Geheimnisvolles geschieht auf der Weihnachtszeitreise, dem historischen Weihnachtsmarkt im Bad Berleburger Schlosshof …

Unter allen Abonnenten meines neuen Newsletters verlose ich 10 E-Books* von „Siegtröpfchen“, dem Siegerlandkrimi, der es in sich hat …

Sieg-tropfen (1)Das lohnt sich in mehrfacher Hinsicht, denn man kann das E-Book nicht kaufen, sondern nur bei mir gewinnen! 🙂

Zur Anmeldung geht es hier entlang, der Newsletter erscheint am 01.12.2017.
Auf der Seite der Weihnachtszeitreise könnt ihr euch schon mal auf den historischen Weihnachtsmarkt (und meinen Krimi! 😉 ) einstimmen!

Ich drücke euch allen die Daumen und wünsche euch viel Vergnügen!

*im Wunschformat: ePub, mobi oder pdf, man kann das E-Book auf jedem elektronischen Gerät lesen (Reader, Smartphone, Tablet, PC …)

Achtung! 
Es gab wohl bei jemandem Schwierigkeiten mit der Anmeldung. Wenn das bei euch der Fall ist: Schickt mir einfach eine Mail an info(ät)wort-farben.de. Ich trage euch dann ein und schicke euch eine Bestätigungsnachricht!

Das Kleingedruckte:
Das Gewinnspiel endet am 01.12.2017 um 12 Uhr. Teilnehmen kann jeder, der sich für den Siegerlandkrimis-Newsletter einträgt. Der Gegenwert des E-Books kann nicht in Euro ausgezahlt werden. Die Gewinner werden nach dem Zufallsverfahren ausgelost und schnellstmöglich benachrichtigt und erklären sich damit einverstanden, mit ihrem Vornamen (und ggf. dem Ort) im Newsletter erwähnt zu werden.
Es besteht keine Verpflichtung, den Newsletter nach der Auslosung noch zu abonnieren.

Der Siegerland-Krimi-Newsletter

Am 1. Dezember ist es endlich soweit: Mein Newsletter startet!

Newsletter (4)

Da ich eine Verlosung für die Abonnenten (also euch!) plane, gibt es im Hintergrund ein bisschen zu werkeln und zu basten. Da kommt das Schreiben am neuen Krimi zwar aktuell zu kurz, aber ich hole die verlorene Zeit garantiert wieder auf.
Außerdem plane ich einen Artikel aus der Siegen für InSIder – Reihe, der erstmal nur den Newsletter-Abonnenten zur Verfügung steht.
Schließlich soll es sich ja für euch lohnen!
Und keine Angst: Der Newsletter ist für etwa drei bis vier Mal im Jahr geplant und wird euch garantiert nicht das E-Mail-Postfach vollmüllen!
Spam mag ich nämlich genau so wenig wie ihr.

Ihr könnt euch schon mal hier eintragen, dann bekommt ihr alles zeitnah mit!

Ich freue mich auf euch!

Vom NaNoWriMo zum Verlag

Was ist NaNoWriMo?

NanoHeute ist der 1. November und damit beginnt für viele Schreibende der jährlich stattfindende National Novel Writing Month.
Das bedeutet nichts anderes, als dass mittlerweile mehr als 300.000 Menschen weltweit innerhalb von 30 Tagen versuchen, 50.000 Wörter eines Romanes zu schreiben. Der Roman selbst wird vermutlich länger sein, aber 50.000 Wörter in 30 Tagen sind trotzdem schon eine Hausnummer.
Der NaNoWriMo wurde 1999 von Chris Baty ins Leben gerufen, und damals nahmen lediglich 21 Menschen teil. Mittlerweile ist das Ganze deutlich professionalisiert, es gibt eine eigene Website und viele, viele Anhänger auf der ganzen Welt, die regelmäßig teilnehmen.
Es ist klar, dass der Text wirklich nur eine Rohfassung ist, aber für viele Menschen ist es ein echter Ansporn, angefangene, unterbrochene oder bisher nur im Kopf existierende Geschichten gezielt und organisiert aufzuschreiben. Die Überarbeitung und die Korrekturphasen kommen später.
Klar, das Ganze kann man auch in jedem beliebigen Monat des Jahres machen, aber gemeinsam macht es einfach mehr Spaß. Auf der Seite nanowrimo.org kann man sich Schreibbuddys suchen und kleine Wettkämpfe veranstalten, man kann sich im Forum mit Gleichgesinnten austauschen oder auch im realen Leben zum gemeinsamen Schreiben treffen. In vielen größeren Städten organisieren Teilnehmer Stammtische, und die Orga schickt regelmäßig aufmunternde und motivierende Nachrichten.
Und wer wie ich Spaß an Statistiken hat, kommt ebenfalls auf seine Kosten, denn die Wordcounts werden nach Regionen aufgeschlüsselt und man kann stündlich nachschauen, welcher Kontinent oder welcher Staat aktuell die meisten geschriebenen Wörter vorweisen kann.
Den Text an sich muss man übrigens nicht preisgeben, denn man trägt einfach seinen täglichen Wordcount ein, den man vom jeweils verwendeten Schreibprogramm zählen lässt.
Das bedeutet natürlich auch, dass man betrügen kann – aber letzten Endes betrügt man damit nur sich selbst. Man kann den NaNo zwar offiziell gewinnen, aber der einzige Gegenwert, den man erhält, ist ein deutlich angewachsenes oder endlich fertiggestelltes Manuskript. Und das ist natürlich ein toller Preis und mit nichts aufzuwiegen!

„Knochenfinder“ – vom NaNo zum Verlag

Download

2008 habe ich das erste Mal am NaNo teilgenommen.
Damals war ich sehr aktive Geocacherin und hatte nur die grobe Idee, in einem Geocaching-Versteck Knochen zu platzieren.
Den NaNo habe ich als Ansporn genommen, die erste Fassung des Krimis zu schreiben, und ich habe mich dann tatsächlich durchgequält. Ja, es war teilweise eine Qual.
Für eine Studentin im Zweitstudium mit zwei kleinen Kindern und einem Nebenjob war es echt hart. Auch wenn ich vor Rückenschmerzen teilweise kaum noch sitzen konnte und ich in dieser Zeit vielleicht nicht gerade die fürsorglichste Mutter und aufmerksamste Partnerin war, habe ich am Ende des Monats 51.347 Wörter geschrieben.
Darauf bin ich auch heute noch stolz, weil es wirklich ein Knochenjob war.
Aber es hat sich gelohnt!

Das Mentoring-Programm der Mörderischen Schwestern

Natürlich war der Text noch relativ unreif, denn es war das erste Mal, dass ich eine angefangene Geschichte auch tatsächlich zu Ende geschrieben habe.
Also habe ich das Manuskript überarbeitet. Und noch mal überarbeitet. Ich hatte Hilfe von einer Krimiautorin aus der Schweiz: Sabina Altermatt, die mich als Mentee unter ihre Fittiche nahm.
Das bedeutete auch, dass ich vieles noch einmal ändern musste; ich hatte damals zum Beispiel noch Schwierigkeiten mit der Erzählperspektive. Gleichzeitig tat es gut, mit einer erfahrenden Autorin am Text zu arbeiten und die individuellen Macken kennen zu lernen und auszubügeln.

Ein Artist-in-residence-Stipendium im Künstlerdorf Schöppingen

Ein paar Monate später war ich mit dem Manuskript soweit zufrieden, dass ich mich damit für ein Stipendium bewarb. Welcher Teufel mich damals geritten hat, weiß ich nicht, aber es war verdammt gut. Denn ich erhielt eines der seltenen und begehrten Aufenthaltsstipendien im Künstlerdorf Schöppingen im Münsterland.
Zwei Monate lang konnte ich fernab von meinen üblichen Pflichten als Studentin-Mutter-Sozialpädagogin an meinem Manuskript arbeiten. Dazu bewohnte ich ein Ein-Zimmer-Apartment mit Selbstversorgung, und zeitgleich mit mir waren mehrere andere Künstler aus dem In- und Ausland dort: Schriftsteller, bildende Künstler, Maler, Zeichner, …
Es war eine wirklich tolle und lehrreiche Zeit, an die ich gern zurückdenke.

Der Agenturvertrag

Mit einem guten Manuskript, einer noch relativ neuen Idee und einer tollen Auszeichnung im Gepäck ging ich dann auf Agentursuche.
Noch Monate zuvor hatte ich davon geträumt, vielleicht einmal irgendwann in einem kleinen Verlag veröffentlichen zu können.
Doch irgendwann fühlte ich mich mutig genug, einen anderen Weg einzuschlagen: Nicht von unten nach oben hocharbeiten, sondern erstmal „oben“ anzuklopfen und sich dann nach „unten“ weiterzuarbeiten.
Zu meiner größten Verwunderung ging es dann ganz schnell. Kaum waren die Bewerbungsunterlagen abgeschickt, kam auch schon die Anfrage meiner Wunschagentur. So dauerte es nur wenige Tage, bis ich nach dem Abschicken meiner Bewerbung den Agenturvertrag unterschreiben konnte. In der Zwischenzeit hatte sich auch noch eine andere Agentur gemeldet, aber da war meine Wunschagentur einfach schneller. Und ich habe nie bereut, so schnell zugeschlagen und nicht gezögert zu haben.

Der Weg in den Verlag

Nun war ich zwar bei einer renommierten Agentur unter Vertrag, aber das war nur ein Schritt von vielen, um meine „Knochenfinder“ bei einem Verlag unterzubringen.
Vor der Verlagsreise lag nämlich eine mehrmonatige Zeit der erneuten Überarbeitung (ich weiß schon gar nicht mehr, die wievielte. Die siebte vielleicht?). Meine Agentin ging mit mir das Manuskript durch, wies mich auf Ungereimtheiten hin, gab mir Tipps, um die Spannung zu erhöhen und ließ nicht locker, bis sie den Text endlich gut genug fand für die Verlagssuche.
Der NaNo 2008 lag mittlerweile schon mehr als eineinhalb Jahre zurück, und endlich war es soweit: Das Manuskript wurde bei mehreren Verlagen eingereicht.
Auch hier ging es wieder recht flott, denn nach weniger als zwei Wochen war klar, dass ich bei Bastei Lübbe unterschreiben werde.
Man ahnt schon, was jetzt kommt: Überarbeitungen … 🙂
Meine Verlagslektorin gab mir noch ein paar Tipps für die Figurenentwicklung und den Spannungsbogen, und nachdem ich diese eingearbeitet hatte, ging der Text ins Außenlektorat. Mein Außenlektor arbeitete sehr detailliert mit mir am Text und war überhaupt der Erste, der sich mit meiner Sprache an sich beschäftigte.
Ich weiß, dass unter vielen angehenden  Autoren die Angst kursiert, ein Lektor würde zu sehr in den Text eingreifen oder gar die eigene Sprache verändern. Diese Angst ist in meinen Augen unnötig, denn die Lektoren schauen dorthin, wo wir unsere blinden Flecken haben. Wie viel man dann letztlich vom Lektor annimmt oder nicht, entscheidet man, wenn es soweit ist. Aber ein Lektorat tut immer gut, zumindest in den großen Verlagen.

Lizenzen – Bertelsmann-Club und Audible

IMG_20171101_134226Das Schöne an der Zusammenarbeit mit einem Verlag beziehungsweise einer Agentur: Um manche Dinge muss man sich überhaupt nicht kümmern.
Dazu gehören auch Lizenzverträge.
Im Sommer erschien „Knochenfinder“ als Club-Lizenz bei Bertelsmann. Eine Club-Lizenz bekam nicht jedes Buch und war deshalb immer besonders schön, denn auf diese Weise konnte man neue LeserInnen erreichen und musste sich keinerlei Gedanken um Werbung machen. Außerdem bekamen die Bücher neue Cover.
Leider hat Bertelsmann seinen Buchclub Ende 2015 eingestellt, denn für uns Autoren bedeutete eine Club-Lizenz immer auch ein kleines Zubrot.
Für „Knochenfinder“ war außerdem eine italienische Lizenz im Gespräch, aber das hat sich wieder zerschlagen. Ich hätte es jedenfalls ziemlich witzig gefunden, mein Buch in einer Fremdsprache zu sehen, die ich selbst überhaupt nicht beherrsche. Ich hätte jedenfalls keine Möglichkeit gehabt, den Inhalt zu überprüfen. Aber Spaß gemacht hätte es ganz bestimmt, ein paar witzige Übersetzungen inklusive.
Für alle, die Geschichten lieber hören als lesen, gibt es „Knochenfinder“ nach wie vor bei Audible als Hörbuch-Download. Vera Teltz hat das Hörbuch eingelesen, was mich ziemlich stolz macht – immerhin hat sie eine ganz beachtliche Liste von Synchronisationen und Hörbüchern vorzuweisen (zum Beispiel „Lost“ und „Pirates of the Caribbean“, aber auch Sebastian Fitzek).

Entdeckt! – der Amazon-Autorenpreis

Am 07. April 2012 erschien dann endlich mein Debüt-Roman „Knochenfinder“ und machte sich ganz gut auf dem Markt. Schon nach fünf Wochen ging er in die zweite Auflage, und ich bekam die ersten Anfragen zu Lesungen, auch weit über das Siegerland hinaus.
Zu dieser Zeit rief Amazon den Entdeckt! – Autorenpreis aus, um auf neue deutschsprachige Talente aufmerksam zu machen. „Knochenfinder“ hat es im ersten Durchgang des Preises geschafft, Sieger im dritten Quartal zu werden. Für die Gesamtwertung hat es nicht ganz gereicht, da wurde mein Buch „nur“ Zweiter.
Mittlerweile wird der Preis nicht mehr verliehen, aber für mich war es eine weitere tolle Auszeichnung und eine zusätzliche Motivation, weiterzumachen.

„Knochenfinder“ heute

Kuckucksbrut_cover

Mittlerweile sind ein paar Jahre ins Land gegangen, und mit „Kuckucksbrut“ gab es 2015 den Nachfolger von „Knochenfinder“.
„Knochenfinder“ ist inzwischen vom Markt genommen, denn der Buchmarkt ist wahnsinnig schnelllebig. Manche Bücher halten sich nur ein Jahr oder weniger, mein Debüt-Roman war immerhin fünf Jahre lang auf dem Markt.
Aber das ist überhaupt kein Grund, den Kopf hängen zu lassen, denn im Laufe des kommenden Jahres, also 2018, wird „Knochenfinder“ überarbeitet und mit neuem Cover versehen erneut erscheinen.
Ihr dürft euch also freuen!

Auf zu neuen Taten!

Ihr seht also, dass es sich durchaus lohnt, sich für ein Herzensprojekt einzusetzen und viel Arbeit zu investieren. Und aus einem einfachen NaNoWriMo-Projekt kann durchaus ein sehr erfolgreicher Roman entstehen – wenn man bereit ist, an sich zu arbeiten und Kritik und Hilfe anzunehmen.
Mittlerweile schreibe ich hauptberuflich und „brauche“ im Grunde keinen NaNoWriMo, um einen Roman zu schreiben. Trotzdem nehme ich noch einmal teil, weil ich daran glaube, dass es gemeinsam mehr Spaß macht. Und weil ich hoffe, dass ich vielleicht ein bisschen weniger Zeit im Internet verplempere, wenn meine Schreibbuddys schon ein paar Tausend Wörter mehr haben als ich.
Mal schauen, wie mein Bericht in vier Wochen aussehen wird!
🙂
Ich freue mich übrigens auf weitere Buddys!

PS: Dieser Beitrag ist 1608 Wörter lang. Um den NaNoWriMo zu gewinnen, muss ich also jeden Tag einen Text in etwa dieser Länge schreiben. Jeden Tag, auch am Wochenende oder wenn ich krank bin!

Buchmesse Frankfurt – Mein Rückblick

Vom Zaudern

Eigentlich sollte dieser Blogbeitrag schon früher erscheinen, aber ich habe mich ziemlich schwer damit getan. Wie soll man diese Messe rückblickend beschreiben? Soll – oder vielmehr: will – ich politisch werden, will ich die gesellschaftlichen Entwicklungen, die sich auch auf der Buchmesse niederschlagen, thematisieren? Oder will ich einfach so tun, als wäre alles super-duper-erfolgreich und schön?

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Nach reiflicher Überlegung habe ich mich gegen die Politik entschieden. Dies hier ist ein Autoren-Blog und soll vornehmlich das Schreiben beleuchten und das Umfeld, in dem dies geschieht. Mit einem manchmal kritischen, manchmal auch liebevoll-verblendeten Blick auf meine Heimat, das Siegerland, also die Region, in der ich lebe.
Und ja, da schnappt sie schon zu, die Falle: Was ist Heimat? Kann man diesen Begriff überhaupt frei von politischen oder persönlichen Überzeugungen verwenden? Ist er nicht sogar schon schmutzig überlagert durch Positionen, die ihn für ihre Zwecke missbrauchen?

Ihr seht, dass es wirklich nicht einfach ist, sich als Autorin nicht irgendwo politisch zu positionieren. Erst recht, wenn man zeitgenössische Romane schreibt und schon gar nicht, wenn man versucht, die Gesellschaft abzubilden.

Was hat das mit der Buchmesse zu tun?

Alles und nichts, wie mir scheint.
Die Querelen, die durch die Medien und vor allem durchs Social Media quellen, habe ich nicht persönlich mitbekommen. Aber ich habe selbstverständlich die Stände der Rechten gesehen, denn in unmittelbarer Nähe war der Orbanism Space platziert, eine Bühne explizit für bunte und offene Veranstaltungen.
Es war im Übrigen die Idee der Veranstalter, wenn man den Rechten schon einen Raum geben müsse (was sie gar nicht mussten, da es sich um eine GmbH und keine Institution der öffentlichen Hand handelt), dann könne man gleich die Linken daneben platzieren, damit „die“ das Problem unter sich regeln. Das hat ja, wie man jetzt weiß, überhaupt nicht funktioniert.

Freunde

Ich war zum Glück am Donnerstag und am Freitag dort, an Tagen also, an denen es noch nicht so extrem voll war und zum Glück auch keine Besucherrekorde verzeichnet wurden.
Man konnte noch gemütlich durch die Gänge schlendern, sich einzelne interessante Stände anschauen und mit den Menschen dort ins Gespräch kommen.
Das war am Donnerstag allerdings noch einfacher als am Freitag, denn das Publikum an den beiden Tagen unterschied sich enorm voneinander. Am Freitag war es nicht nur voller, sondern alles wirkte ein bisschen legerer und bodenständiger.
Auch wenn einige „Stars“ auf der Buchmesse waren und Interviews und Signierstunden gaben, habe ich mir diese Art von Rummel geschenkt. Personenkult ist ohnehin nicht meines und es ist auch kein Zufall oder Nachlässigkeit, dass es von mir keine Selfies gibt – weder mit Büchertürmen noch mit anderen Menschen.

Mir war es viel wichtiger, mich mit den Menschen um mich herum zu unterhalten, und zwar egal, wer sie sind und warum sie dort waren. So habe ich einige bisher eher lose Internetbekanntschaften vertieft und mit manchen überhaupt das erste Mal im realen Leben gesprochen.
Außerdem habe ich mich mit Freunden zum Essen getroffen, mit anderen im sonnenbeschienenen Innenhof gesessen und ganz, ganz viele Kolleginnen und Kollegen leider nur flüchtig und im Vorbeieilen umarmt – und viele habe ich einfach verpasst.
Es war wie ein großes Familientreffen und ich habe mich unheimlich wohl gefühlt. Wenn man tagein, tagaus am Schreibtisch sitzt und sich meist nur virtuell mit Kolleginnen und Kollegen austauscht, tut so ein echter Kontakt richtig gut. Auch wenn es nur eine kurze Umarmung ist.

Vorträge

Neben unfassbar vielen Büchern gab es auch ziemlich viele und teilweise wirklich gute Vorträge zu allen möglichen Themen rund ums Büchermachen:
Wie erstelle ich ein E-Book? Wie sieht gutes Marketing aus? Wie erreiche ich meine Leser und welche Unterschiede gibt es zwischen Selfpublishing und Verlag?
Letzteres ist natürlich auch ein ganz persönliches Thema für mich, über das ich bereits beim LiteraturCamp in Heidelberg, aber auch kürzlich auf der MinD-Akademie in Köln referiert habe.
Da gab es natürlich nicht extrem viel Neues für mich, aber viele Vorträge enthielten die eine oder andere Idee, was ich noch verbessern oder verändern könnte.

Die Buchmesse in Frankfurt war also ein voller Erfolg für mich; ich hatte unheimlich viel Spaß und tolle Kontakte, meine Füße taten dank guter Barfußschuhe kaum weh und genug Kaffee bekam ich auch.
Und ich bin gespannt, wie die Buchmesse Leipzig mit der Bürde umgeht, die sie von den Kollegen aus Frankfurt aufgedrückt bekam. Es ist jedenfalls viel in Bewegung und ich hoffe, dass auch viel Gutes daraus hervorgehen wird.

Plaudern mit Nike – Teil 3

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Heute geht es weiter mit dem dritten und letzten Teil des September-Interviews mit Nike Altmann, der Hauptfigur meiner neuen Siegen-Krimis.
Teil 1 findet ihr unter Darf ich vorstellen? Nike Altmann!, der zweite Teil ist hier nachzulesen: Mit Nike im Café, Teil 2 – Figurenentwicklung.
Jetzt habe ich es endlich geschafft, auch den Rest des Interviews zu transkribieren und hoffe sehr, dass ich sie damit für euch zum Leben gebracht habe.
🙂

Nike, hattest du eine glückliche Kindheit?

Auf jeden Fall!
Meine Kindheit war eine fröhliche, unbeschwerte Schutzzone, aus der alles Böse herausgehalten wurde und in der das Positive überwog. Unsere Eltern haben viel mit uns unternommen, unserem Vater war es wichtig, dass seine Töchter mit einer gehörigen Portion Neugier durch die Welt gehen.
Während der Pubertät begann dieser Schutzwall zu bröckeln, unserer Mutter gelang es immer weniger, die Unbillen von uns fernzuhalten. Und wir taten natürlich unser Möglichstes, unsere eigenen Erfahrungen zu sammeln. Das war dann auch der Zeitpunkt, an dem Vic und ich begannen, unterschiedliche Wege zu gehen. Wir entfernten uns immer mehr voneinander, und manchmal waren wir auf unseren Lebenspfaden so weit voneinander entfernt, dass wir einander nicht einmal mehr sehen konnten.
Das hat sich im Grunde auch bis heute nicht geändert.

Was war das Gemeinste, was du je zu jemandem gesagt hast?

Oh, ich kann gut fluchen!
Aber ich bleibe dabei immer oberhalb der Gürtellinie. Mir fallen so ein paar Gelegenheiten ein, bei denen ich mich hinterher für meine Worte geschämt habe. Aber die werde ich dir ganz bestimmt nicht verraten! (lacht)
Andererseits weiß man ja nie, wie das Gegenüber reagiert und mit welchem Blick jemand durchs Leben läuft. Wer weiß schon, wie oft ich schon jemanden gekränkt habe, ohne mir dessen bewusst zu sein …

Wie war dein erster Kuss?

Irgendwie feucht und noch unbeholfen, aber definitiv leidenschaftlich!
Es war auf einer Party in der Schule und ich war fünfzehn. Der Junge war ein Austauschschüler aus Israel und ich habe ihn danach nie wiedergesehen. Was wahrscheinlich auch ganz gut war. (lacht)

Was war das Schrecklichste, das du jemandem angetan hast, den du liebtest?

Mit einer Entscheidung, die auch mit unserer Beziehung zu tun hat, habe ich Lukas ziemlich weh getan. Ich möchte nicht näher ins Detail gehen, weil das eine Sache allein zwischen ihm und mir ist.
Es ist zwar offiziell kein Thema mehr zwischen uns, aber ich merke, dass es unterschwellig immer noch vorhanden ist.

Wofür schämst du dich am meisten, wenn du an die Vergangenheit denkst?

Kennst du Domian, die Talkshow im Radio?
Da hab ich mal angerufen.
Ich hatte so verdammten Liebeskummer wegen eines Typen, der es noch nicht einmal verdient hatte. Und weil ich nicht weiter wusste und dieses beinahe unerträgliche Gefühl loswerden wollte, habe ich beim Radio angerufen. Damals war das für mich irgendwie logisch; meine Freundin Tina und ich haben nächtelang am Radio gesessen und Domians Ratschlägen gelauscht. Er war immer so ruhig und besonnen und hat die Anrufer ernst genommen, und da dachte ich, dass er mir vielleicht auch helfen könnte.
Im Nachhinein kam ich mir völlig blöd vor, aber der Anruf und das öffentliche Gespräch mit Jürgen Domian im Radio hat mir geholfen, Abstand zu der Sache zu bekommen.
Und ich würde noch nicht einmal von mir weisen, dass dieser Anruf auch dazu geführt haben könnte, dass ich Psychologie studieren wollte.

Auf was bist du stolz, wenn du an die Vergangenheit denkst?

Ich bin auf meine Familie stolz, denn wir hatten einen sehr holprigen Start.
Lukas und ich waren noch gar nicht lange zusammen, ich war mitten im Studium, er hatte gerade bei der Polizei begonnen – und dann war ich auf einmal schwanger.
Wir hatten kein Geld, keine gemeinsame Wohnung und fühlten uns eigentlich beide noch viel zu jung für ein Kind. Also haben wir uns zusammengesetzt und einen Plan gemacht, der uns beiden ermöglichte, unsere Ausbildung beziehungsweise das Studium zu beenden.
Ich habe vier Urlaubssemester eingereicht, damit Lukas seine Ausbildung beenden konnte, und als er dann einen festen Job hatte und Malte in den Kindergarten ging, habe ich mein Psychologie-Studium wieder aufgenommen und mit ziemlich guten Noten abgeschlossen. Später, als Malte dann größer war, wurde alles ein bisschen einfacher und ich konnte mich um die Weiterbildung zur Psychotherapeutin kümmern – nebenberuflich.
Ich bin stolz darauf, dass wir als Familie diese harte erste Zeit gemeinsam geschafft haben, auch wenn das nicht immer reibungslos vonstattenging.

Wann hast du das letzte Mal geweint und warum?

(Nike blickt an mir vorbei aus dem Fenster, dann zieht sie die Unterlippe ein und nickt sachte)
Mit dieser Frage triffst du einen ganz wunden Punkt bei mir.
Ja, es gibt etwas, das mich manchmal zum Weinen bringt. Aber ich muss das erst für mich klären und einen Umgang damit finden, bevor ich darüber reden kann.
Mehr mag ich dazu nicht sagen.

Welche schlechte Angewohnheit möchtest du gern loswerden?

(Sie nimmt ihre Kaffeetasse und hält sie mir vor die Nase)
Hier, das ist mein Laster. Ich sollte weniger Kaffee trinken und mich insgesamt gesünder ernähren. Aber irgendwie schaffe ich das nicht.
(Sie trinkt einen Schluck und grinst mich dann an)
Ach, eigentlich will ich auch gar nicht.

Wenn du eine Sache ändern könntest, was wäre das?

Klingt banal, aber wenn ich die Macht dazu hätte, würde ich etwas am Weltfrieden ändern. Dann hätten wir weniger gefährliche Egomanen in Machtpositionen und mehr kluge Strategen mit Weitsicht.
Aber vielleicht sollte ich eher im Kleinen anfangen und mich selbst in der Politik engagieren.
(Nike hält einen Moment inne, dann winkt sie ab)
Dafür bin ich ohnehin zu ungeduldig, das würde nicht funktionieren.

Wofür kämpfst du oder setzt du dich ein? Welche Ziele hast du?

Ich versuche jeden Tag, einen Menschen glücklich zu machen.
Manchmal reicht schon ein freundliches Wort oder eine nette Geste, damit mein Gegenüber einen schönen Moment erlebt, der ihn vielleicht sogar über den Tag trägt.
Und wenn dieser Mensch das Lächeln an einen anderen weitergibt, dann habe ich mit ganz wenig Aufwand für viele Menschen die Sonne scheinen lassen.
Wir alle sollten viel öfter lächeln!

Vielen Dank, Nike, für das tolle Interview! Ich hatte viel Spaß dabei und freue mich, dass du hier so öffentlich aus dem Nähkästchen geplaudert hast!

Hab ich gern gemacht!
Aber jetzt muss ich los, in einer halben Stunde habe ich einen Termin, bis dahin muss ich wieder in meiner Praxis sein.
Ciao!

Mit Nike im Café, Teil 2 – Figurenentwicklung

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Heute kommt der zweite Teil des Interviews mit meiner neuen Hauptfigur Nike Altmann.
Den ersten Teil könnt ihr hier noch einmal nachlesen.
Zur Erinnerung: Wir sitzen immer noch in der Oberstadt im Café, trinken beide einen Cappuccino und schauen ab und zu aus dem Fenster auf die vorbeieilenden Passanten. Draußen ist es bewölkt – vielleicht sind die Menschen deshalb so grimmig unterwegs.

Nike, in welche Gesellschaftsschicht wurdest du hineingeboren?

Mein Vater war Lehrer am Gymnasium und unterrichtete Geschichte und Sport. Daher auch die glorreichen Namen für seine Zwillingstöchter: Nike und Victoria, die Göttinnen des Sieges. Nike griechisch, Victoria römisch. Leider waren damit auch bestimmte Erwartungen verknüpft, die wir aber beide nicht wirklich erfüllt haben.
Meine Mutter war Postbeamtin und hatte das Glück, nach der Privatisierung dort bleiben zu können.
Wir wuchsen also in einem Beamtenhaushalt mit geregeltem Einkommen auf. Vielleicht ist das auch der Grund, weshalb ich mit einem Polizeibeamten verheiratet bin!

Wie groß ist deine Familie?

Zu meiner Kernfamilie gehören mein siebzehnjähriger Sohn Malte und mein Mann Lukas. Wir haben erst geheiratet, als Malte schon in den Kindergarten ging und endlich einer von uns einen festen Job hatte.
Dann sind da noch meine Eltern, beide Mitte siebzig, und meine Zwillingsschwester. Vic wohnt in der Nachbarschaft unserer Eltern, ich habe ein paar Kilometer Distanz zwischen uns gelegt. Meine Eltern haben eine symbiotische Beziehung, keiner kann ohne den anderen, man trifft sie kaum allein an. Manchmal frage ich mich, ob sie auch zusammen aufs Klo gehen, wenn niemand da ist.
Mir ist das viel zu eng, ich bekomme keine Luft mehr, wenn ich zu lange mit ihnen zusammen bin. Vic kommt damit besser klar. Für sie ist es am wichtigsten, dass sich so wenig wie möglich ändert. Und da unsere Eltern schon immer so waren, ist es für sie okay.
Unsere Großmutter ist vor zwei Jahren gestorben. Sie ist 96 geworden!
Dann haben wir noch drei Cousins, die Söhne der Schwester unserer Mutter. Aber die leben an der Nordsee und wir haben so gut wie keinen Kontakt miteinander.

Was bedeutet dir Familie?

Der Begriff »Familie« kann so viel beinhalten: Die Herkunftsfamilie mit Eltern und Geschwistern, aber auch die eigenen Kinder und der Partner oder die Partnerin.
Aber auch Freunde können eine Familie sein und sind manchmal sogar wichtiger und vertrauter, weil es sich um selbst gewählte Beziehungen handelt.
Aber das wird jetzt philosophisch, fürchte ich (zwinkert).
Familie ist für mich jedenfalls das Wichtigste neben Gesundheit. Und manchmal kommt man eben erst später – oder zu spät – darauf, was man an seiner Familie hat.

Wer war deine Bezugsperson als Kind?

Oh, diese Frage ist für Zwillinge einfach zu beantworten (lacht)!
Immerhin habe ich mir den Mutterbauch mit Vic teilen müssen, sie war also schon da, bevor unsere Mutter richtig in unser Leben trat!

Welche ist deine glücklichste Kindheitserinnerung?

Wenn ich zurückblicke, fallen mir viele glückliche Situationen ein.
Der Urlaub auf dem schleswig-holsteinischen Bauernhof zum Beispiel, bei dem meine Schwester auf einem gefleckten Hausschwein geritten ist. Oder die Abende, die wir bei unserer Großmutter hinterm Haus auf der Bank verbracht haben, um Bohnen zu schnippeln oder Kirschen zu entkernen.
Aber wenn ich so darüber nachdenke, dann spielen all die schönen und glücklichen Kindheitserinnerungen im Sommer. Das ist dann wohl meine Jahreszeit!

Hast du einen besten Freund, eine beste Freundin? 

Tina ist meine beste Freundin, aber sie ist vor acht Jahren mit ihrem jetzigen Mann ins Allgäu gezogen, sodass wir uns nicht mehr so häufig sehen wie früher. Wir sind zusammen zur Schule gegangen, wir haben uns in der Oberstufe kennengelernt und hatten an der Uni einige Vorlesungen zusammen. Sie hat dann aber ihr Studium abgebrochen und eine Ausbildung zur Landwirtin gemacht. Insofern passt sie also super ins Allgäu!

Wie sieht dein übriger Freundeskreis aus?

Lukas und ich haben viele gemeinsame Freunde, die sich im Laufe der vielen Jahre, die wir zusammen sind, zusammengefunden haben. Mit Doro und Henning sind wir bis vor ein paar Jahren regelmäßig nach Holland gefahren, aber seit sie ihre drei kleinen Kinder haben, hat sich das ein wenig verlaufen. Klara kenne ich noch vom Hundeverein und sie ist, seit Tina weggezogen ist, meine engste Vertraute. Sie kommt gern unerwartet vorbei und ist manchmal nicht da, wenn wir verabredet sind.

Was ist dir bei deinen Freunden wichtig?

Offenheit und Ehrlichkeit. Und dass wir füreinander da sind. Das obligatorische Haustüröffnen, wenn ich nachts um drei dort klingele. Aber ich will nicht einfach nur Gutes von meinen Freunden hören, sondern sie sollen ehrlich sein. Und wenn ich Mist gebaut oder etwas Blödes gesagt habe, sollen sie mir das direkt sagen, damit ich darauf reagieren kann. Das Schlimmste für mich ist, wenn man hintenrum über andere spricht, statt sie direkt auf ihre Fehler aufmerksam zu machen.

Was magst du bei anderen überhaupt nicht?

Das passt ja schon zu der anderen Frage: Mit Unehrlichkeit kann ich nichts anfangen. Aber glücklicherweise funktionieren meine Sensoren diesbezüglich ganz gut und ich merke es recht schnell, wenn Menschen nicht authentisch sind und mir etwas vorspielen. Das kommt mir schließlich auch im Beruf zugute.

Magst du Haustiere? 

Bis vor ein paar Jahren hatte ich einen kleinen Mischlingshund. Nach Bertis Tod habe ich mich gegen einen neuen entschieden, hauptsächlich aus Zeitgründen. Aber ich weiß noch nicht, ob ich nicht doch eines Tages noch mal einen haben werde. Mal schauen!

Der dritte und letzte Teil des Interviews geht in den nächsten Tagen online. Wenn ihr nichts verpassen wollt, könnt ihr gern meinen Blog abonnieren – und ihr könnt euch schon mal für meinen Newsletter eintragen, denn da wird es noch in diesem Jahr eine Überraschung geben (aber die behalte ich natürlich vorerst für mich, es ist ein kleines Weihnachtsgeschenk, und … ach, ich bin jetzt still, damit ich mich nicht verplappere!)

Teil 1 findet ihr hier: Darf ich vorstellen? Nike Altmann!
Teil 3 könnt ihr hier nachlesen: Plaudern mit Nike – Teil 3

Darf ich vorstellen? Nike Altmann!

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Nike Altmann ist psychologische Psychotherapeutin, 39 Jahre alt und die Hauptfigur meiner neuen Krimi-Reihe.
Vermutlich wird sie sich im Sommer nächsten Jahres das erste Mal einer breiten Öffentlichkeit zeigen.
Wir haben uns vor einigen Tagen in einem Café in der Siegener Oberstadt getroffen, nicht weit von der historischen Altstadt entfernt. Ursprünglich wollten wir uns draußen auf die Terrasse setzen, aber weil das Wetter so unbeständig war, sind wir lieber nach drinnen gegangen. Lustigerweise haben wir beide einen Cappuccino bestellt – dabei sollte mich das gar nicht mehr wundern, denn irgendwie trinken all meine weiblichen Hauptfiguren gerne Cappuccino! 😀
Als ich mich mit Nike traf, war ihr Leben noch in bester Ordnung.
Aber das unbeständige, windige Wetter dieser Tage wird doch wohl kein Omen sein für das, was da noch kommen wird?

Im Folgenden zeige ich euch schon mal den ersten Teil des Interviews, den Rest muss ich noch transkribieren, was bei meiner Handschrift nicht ganz so einfach ist … 😉

Hallo Nike, schön, dass du dir Zeit für dieses Interview genommen hast!
Normalerweise hast du um diese Uhrzeit Termine; entweder in deiner Praxis oder in der Einrichtung der Jugendhilfe, wo du mit einer halben Stelle als Psychologin angestellt bist. Und auch nach Feierabend gibt es noch genug zu tun, ich weiß dein Engagement also zu schätzen.
Beginnen wir mit der ersten Frage:

Bist du ein eher positiver oder eher negativer Mensch?

Ach, mach dir wegen meines Zeitmanagements keine Gedanken …
Ich mag Abwechslungen, und so ein Interview ist mal was anderes. Deshalb: herzlich gern!
Ich würde mich als durchweg positiven Menschen bezeichnen. Ich glaube, mich haut so schnell nichts um. Sonst hätte ich auch die Doppelbelastung Studium und Kind nicht so gut meistern können.

Was bringt dich zum Lachen?

Manchmal habe ich einen etwas derben Humor, grundsätzlich lache ich aber viel und oft und es ist wirklich nicht schwer, mich zum Lachen zu bringen.

Wie siehst du dich selbst?

Gute Frage. Ich glaube, ich sehe mich viel kritischer als Außenstehende. Immerhin bin ich 24 Stunden mit mir zusammen, und das schon seit mehr als 39 Jahren. Da lernt man schließlich auch seine nicht so schönen Seiten und all die Widersprüche kennen.
Um deine Frage zu beantworten: Ich bin ein eher analytischer Mensch. Nicht ganz so stark wie meine Schwester Vic, dafür aber eher im zwischenmenschlichen Bereich. Das ist natürlich auch für meinen Beruf eine wichtige Kernkompetenz.

Wie wirst du in Wahrheit von anderen gesehen?

Na, du stellst Fragen! (lacht)
Mein Sohn Malte findet mich vermutlich manchmal ziemlich nervig. Immerhin ist er mit seinen 17 Jahren schon beinahe erwachsen. Findet er. Ich hoffe aber, dass ich ihm bisher trotzdem eine gute Wegbegleiterin war und dass er später, wenn ich nicht mehr so nervig bin, davon profitieren wird.
Wie mein Mann Lukas mich wahrnimmt, kann ich gar nicht genau sagen. Er ist Polizist und wir arbeiten beide viel, da bleibt wenig Zeit füreinander. Aber er wird mich schon in Ordnung finden!
(lacht ein wenig verlegen und nimmt einen Schluck Cappuccino)

Was ist dein stärkster/was dein schwächster Charakterzug?

Das ist so eine typische Politikerfrage. Da müsste ich wohl Ehrgeiz oder Hartnäckigkeit anführen, aber das willst du gar nicht wissen, nehme ich an.
Ich schlage manchmal in den Dingen, die ich tue, über die Stränge – dann treibe ich Sport wie verrückt oder liege stundenlang auf der Couch und schaue mir Dokus an, obwohl ich eigentlich was im Garten machen müsste.
Das heißt aber umgekehrt auch, dass ich die Dinge durchziehe, die ich anpacke (also auch Dokus und Serien anschauen …)

Wie reagierst du auf Lob/Kritik?

Gelassen.
Meist merkt man ja selbst, ob etwas gut oder weniger gut war. Und wenn ich es nicht merke, dann bin ich froh, wenn mich jemand darauf hinweist.

Wovor hast du am meisten Angst?

Ganz klar: Dass jemand aus meiner Familie stirbt. Mein Sohn oder mein Mann, aber auch meine Zwillingsschwester Victoria. Wir verstehen uns zwar nicht immer, aber sie ist die Person, die mir am nächsten steht. Obwohl wir zweieiig sind. Da ist Blut dann wohl doch dicker als Wasser …
Mein Mann Lukas arbeitet bei der Kripo und wir wissen natürlich beide, dass das nicht immer ganz ungefährlich ist.
Mir ist aber wichtig, mich von meinen Ängsten nicht beeinträchtigen zu lassen, mir nicht das Leben von ihnen bestimmen zu lassen. Denn das wäre nicht gut, dann könnte ich nicht mehr frei handeln.

Was magst du an deinem Körper besonders und was gar nicht?

Meine Haare! (Sie greift sich an den weißblonden Schopf)
Von weitem sehe ich aus, als wäre ich schon völlig grau, dabei ist es ein ganz, ganz helles Blond. Siehst du? (Sie hält mir eine Strähne ihres kurzen Haares entgegen, und ich nicke belustigt)
Als Kind wurde ich dafür oft gehänselt. In der Grundschule hat mir mal ein Junge Wasserfarben auf den Kopf gekippt und ich musste mit blauen Haaren nach Hause gehen. Und Vic und ich wurden immer wieder wegen unserer unterschiedlichen Haarfarben aufgezogen. Sie ist rothaarig, musst du wissen. »Schneeweißchen und Rosenrot« haben sie uns genannt. Das war wirklich nicht schön.
Aber ich würde auch nie auf die Idee kommen, meine Haare zu färben! Dafür mag ich sie dann doch zu sehr.

Hast du ein Geheimnis, von dem niemand weiß?

Klar! Jeder hat Geheimnisse, die er anderen nicht preisgibt. Nicht alle sind bedeutungsschwer, manche aber schon.
Aber du verlangst jetzt nicht von mir, dass ich das hier vor deinen Lesern ausbreite, oder?

(An dieser Stelle unterbreche ich meinen Beitrag und vertröste euch auf die nächsten Tage – auf mich wartet ein Cappuccino, den ich nicht kalt werden lassen möchte, außerdem sollte ich den trockenen Moment mal ausnutzen und ein bisschen frische Luft schnappen!)
Teil 2 findet ihr hier: Mit Nike im Café, Teil 2 – Figurenentwicklung
Teil 3 an dieser Stelle: Plaudern mit Nike – Teil 3

Wenn ich meine Figuren zum Kaffee einlade …

Autorenchallenges im Social Media

Kaffee, Filter Kaffee, Cookies, CafeWer wie ich viel bei Twitter oder Facebook unterwegs ist, stößt alle Nas‘ lang auf andere Challenges.
Im Mai wurden unter dem Hashtag #Autorinnenzeit Bücher von Frauen vorgestellt, im Januar und im August gab es den #Autorenwahnsinn mit Fragen rund ums Schreiben für jeden Tag des Monats.
Den Autorenwahnsinn im August habe ich hier im Blog zwar begonnen, aber nicht zu Ende geführt. Dafür habe ich mich bei Twitter an der Aktion beteiligt, weil das einfacher war. 140 Zeichen sind am Handy schnell getippt.

Characters of september

Bei Nike Leonhard habe ich letztens die Challenge #Charactersofseptember entdeckt. Das sind insgesamt 30 Fragen an eine Figur aus einem unserer Romane.
Für mich kommt diese Challenge zur rechten Zeit, weil ich ja aktuell an der Entwicklung neuer Siegen-Krimis arbeite. Da es sich um eine Reihe handelt, muss ich natürlich die Figuren im Vorfeld gut ausarbeiten. Dazu muss ich ihre Stärken und Schwächen kennen lernen, sie brauchen Entwicklungspotenzial, Probleme und Widersacher, vor allem aber auch Freunde und Unterstützer, Wünsche und Sehnsüchte.
Deshalb habe ich meine Hauptfigur Nike Altmann (das ist wirklich ein Zufall, ich schwör‘!), eine psychologische Psychotherapeutin, zu einem Kaffee in die Oberstadt eingeladen. Daraus hat sich dann ein für mich sehr spannendes Interview entwickelt, das ich euch in den nächsten Tagen hier zeigen werde.

Mit den Figuren im Dialog

Wer schon auf Lesungen von mir war, kennt meine Neigung, mit meinen Figuren „Kaffee trinken zu gehen“.
Das mache ich beinahe bei jedem meiner Bücher, weil es mir hilft, mich den Figuren zu nähern. Und dieses „Kaffeetrinken“ findet nicht nur in meinem Kopf am Schreibtisch statt, sondern ich nehme dazu wirklich eine andere Haltung ein (zum Beispiel auf dem Sofa) und rede ganz normal mit der Person, als würde sie direkt vor mir sitzen. Häufig nehme ich meine Fragen und ihre Antworten auch auf und höre es mir später an.
Das klingt für jemanden, der nicht schreibt, vielleicht ein bisschen gaga, aber mir hilft es, mich besser in die Figuren hineinzuversetzen. Allerdings muss ich dazu sagen, dass ich das auch wirklich nur mache, wenn ich ganz allein zu Hause bin – immerhin möchte ich von meiner Familie noch ernst genommen werden! 😀
Davon erzähle ich auch auf Lesungen immer gern und ernte damit sehr unterschiedliche, in der Regel aber überraschte, erstaunte oder amüsierte Reaktionen.

Ihr könnt euch also auf ein interessantes Interview mit Nike Altmann* freuen!

(* das ist ihr aktueller Name, aber ich habe die Neigung, Namen abzuändern, wenn ich eine Figur besser kennen lerne. Manchmal passt der Name aus der Kennenlernphase nicht mehr …)